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Von Pfeilschnell bis Projektionsfläche

P wie Pfeilschnell ist die Paranoia, die das Wesen in Kafkas „Der Bau“ umtriebig und rastlos sein lässt. Sie sitzt ihm mit jeder Bewegung im Nacken und begleitet es bei jedem Gedanken. Sie ist die Angst, die keine Pause kennt, die allgegenwärtig und unsichtbar verweilt. Scheint sie überwunden, dann ist sie bereits wieder am Herannahen. Sie ist der eigentliche Antagonist, den das Wesen fürchtet. (64/ Marie Schreiner)

Pausenlos
Auf mich wirkt der Text in mehreren Hinsichten pausenlos. Einerseits ist es eine pausenlose Erzählung, welche mit dem Punkt Ruhe findet. Andererseits wirkt die Form wie eine wunschvolle Metapher anhand eines pausenlosen Ritts.
(33 / Daniel Andresz)

Paranoia
Paranoia ist ein Flüstern in der Stille, ein Schatten, der ohne Licht erscheint. Sie ist das Netz, das der Geist selbst webt, um sich vor unsichtbaren Gefahren zu schützen. Jeder Blick, jedes Geräusch wird zur Bedrohung, und das Herz schlägt im Takt der Unsicherheit. Sie schließt die Seele ein, wie der Bau, sicher und
doch verloren. (56 / Linda Eisenlohr)

Paranoia
Ein durch Furcht vor Eindringlingen und Misstrauen gegenüber der Außenwelt geprägtes Verhalten, durch welches jede weitere Vorgehensweise hinterfragt und durchdacht wird, was dem Lesenden ein allgemeines Gefühl der Unsicherheit vermittelt. Dieses Verhaltensmuster mündet in der zwanghaften Verfolgung eines einzigen Lebensziels, des Selbstschutzes anhand der Sicherstellung des Baus vor äußeren Einflüssen, welches das Leben des Protagonisten völlig einnimmt. Dies führt zu einer non-funktionären und isolierten Lebensweise. (66 / Lisa Feinauer)

Paranoia
Getrieben von Angst und Perfektion, die Ausarbeitung der Selbstisolation voranbringend. Im Ungewissen wandernd, misstrauisch gegenüber den eigenen Gedanken. Immer wieder umherspringend und abwägend, zufrieden in der ewigen Ruhelosigkeit. Mit Gespenstern lebend in vollkommener Einsamkeit. Auf der Jagd nach der nächsten Verfehlung. Der immerwährende Konflikt zwischen Freiheit und Sicherheit, tendierend zur Sicherheit, in der man sich frei träumend wähnt, gefangen in der Hilflosigkeit gegenüber dem eigenen Gedankenkarussell. (66 / Nele Meißner)

Paranoia
Eine allumfassende Angst, die einen daran hindert, das Haus zu verlassen und das Leben unbeschwert zu leben. Statt sein Werk zu genießen, optimiert der Bauherr sein Haus andauernd, um sich vor Eindringlingen zu schützen. Freunden hat er schon lange nicht mehr und jeder potenzielle Hausgenosse wäre eine Bedrohung. Jedes Zischen wird als Gefahr wahrgenommen und führt zur Wut auf das Ich, nicht besser geplant zu haben.
(66 / SvenjaTrojan)

„Pferdehals und Pferdekopf“
Pferdehals und Pferdekopf, die ganze Verbindung zwischen dem mechanischen Ablauf der Bewegung und dem Zentrum seiner Kontrolle, die soll verloren gehen, Pferdehals und Pferdekopf,
denn ohne sie ist man ganz dem Lauf überlassen.
(33 / Paulus Panahinik)

Prägnanz
aus „Kafka gelesen: Eine Anthologie“, hrsg. von Sebastian Guggolz (S. Fischer) Kafkas Texte sind prägnant, da sie gleichzeitig deutungsschwer und deutungsreich sind. Sie lassen viele Interpretationen zu und laden auch heute noch aktiv zu neuen Deutungsversuchen ein, aber eine präzise Festlegung ist oft nicht möglich. Die endgültige, geschlossene Deutung scheint einem zu entrinnen und dies führt zu einem gewissen Nachhallen seiner Texte. Einzelne Sätze bleiben oft im Gedächtnis haften und liefern immer wieder neue Denkanstöße und diese erweitern den Interpretationsraum der Texte. Insbesondere seine sehr kurzen Werke, die teilweise nur aus einem Satz oder mehreren Sätzen bestehen strotzen vor Inhalt oder fühlen sich eigenartig, bewegend und auch schwer an. Kafkas Aphorismen und „Wunsch, Indianer zu werden“ sind kurz, aber dicht vom Inhalt her und lassen auf Kafkas Gefühlszustände, Hoffnungen und Ängste schließen. „Wunsch, Indianer zu werden“ ist ein sehr prägnanter Text, da in nur einem Satz eine Verdichtung von Sehnsucht stattfindet, und die Nichterfüllung schmerzvoll nachklingt. Viele von diesen kurzen, aber reichhaltigen Sätzen bleiben sehr lange oder sogar auf Lebzeiten in irgendeiner Form im Gedächtnis hängen. (165 / Alexandra Heydt)

Projektionsfläche
Eine Instanz, die es Rezipient*innen eines Textes ermöglicht, ihre eigenen Wünsche, Ideale, Ängste, Erfahrungen und gesellschaftlich-kulturelle Prägungen auf ein anderes Subjekt, Objekt oder eine Situation zu übertragen, um sich selbst darin wiederzufinden. Diese Projektion kann sich sowohl auf literarische Figuren als auch auf Motive, Räume, abstrakte Konzepte oder die Autor*innen-Instanz erstrecken.
Vertrautes in fremder Perspektive zu erkennen, kann Trost und Verbundenheit spenden. Die Möglichkeit zur Projektion kann vom Autor oder der Autorin bewusst durch Mehrdeutigkeiten und offene Stellen im Text geschaffen werden. Möglich ist aber auch ein „Überstülpen“ eigener Vorstellungen über Autor*innen und ihren Text, bei der zugunsten eigener Erwartungen die eigentliche Intention des Werks (falls so etwas existiert) in den Hintergrund tritt. Dies zeigt sich insbesondere in der literarischen Rezeption, wenn ein Text nicht nur als eigenständige Entität betrachtet wird, sondern als Spiegel persönlicher oder kollektiver Deutungsmuster fungiert. So können Leser*innen eine Figur oder eine Erzählperspektive mit Bedeutungen aufladen, die möglicherweise nicht explizit im Text angelegt sind, sondern aus individuellen oder zeitgebundenen Interpretationsmustern resultieren.
(165 / Maja Pfeifle)

Paradoxie
Kafka verwendet oft widersprüchliche oder paradoxe Elemente, um den Leser in einem Zustand des Nachdenkens und Zweifels zu belassen. (ChatGPT)

weitere Begriffe: Perfekt: nur auf sich selbst verweisend, Präzision

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