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Making of „Literature“

Wer macht die Literatur? Die Autoren oder die Texte oder die Leser oder die Verlage oder die Druckereien oder das Internet oder die Agenten oder die Lektoren oder die Werbung oder die Literaturkritik oder die Literaturwissenschaft? Das „oder“ lässt sich als „und“ auflösen: Alle zusammen.

Was nehmen wir als Literatur wahr und was bleibt als Literatur? Hier spielen Literaturpreise im 20. und 21. Jahrhundert eine wichtige Rolle. 1901 wurde erstmals der Nobelpreis für Literatur verliehen, 1903 der Prix Goncourt, 1917 der Pulitzer-Preis. Heute gibt es allein in Deutschland über 1.300 Literaturpreise.

Foto: DLA Marbach

Nobelpreisurkunde für Hermann Hesse (1946)

„Für seine inspirierte Verfasserschaft, die in ihrer Entwicklung neben Kühnheit und Tiefe zugleich klassische Humanitätsideale und hohe Stilwerte vertritt“, erhält Hesse 1946 den Literatur-Nobelpreis.

Foto: DLA Marbach

Nobelpreisurkunde für Theodor Mommsen (1902)

Am 10. Dezember 1902 wird der Nobelpreis für Literatur dem Historiker Theodor Mommsen verliehen. Die Nobel-Statuten sehen vor, dass unter dem Begriff Literatur auch Schriften anderer Disziplinen zu verstehen sind, „welche durch Form und Darstellung literarischen Wert besitzen“. Wegen seines hohen Alters (85) wagte Theodor Mommsen nicht, mitten im Winter nach Stockholm zu fahren: „Da würde es mir wohl wie Voltaire ergehen. […] Führe ich nach Stockholm, käme ich wohl nicht lebend zurück!“

Foto: DLA Marbach

Preis für Alte? Stefan Zweigs Polemik „Die zehn Wege zum deutschen Ruhm" (1912)

Die frühexpressionistische Zeitschrift „Der Ruf. Ein Flugblatt an junge Menschen“ ist die publizistische Plattform des 1908 gegründeten „Akademischen Verbandes für Literatur und Musik in Wien“: Programmatisch zielt die avantgardistische Vereinigung auf künstlerischen Erneuerungswillen und ironische Gesellschaftskritik. „Karneval“ ist passend das Motto der ersten Ausgabe im Februar 1912, in der der 31-jährige Zweig seine satirische Schrift veröffentlicht.

Foto: DLA Marbach

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Mit der tatsächlichen Vermarktung des Romans und dessen Rezeption war Domin dann indes alles andere als zufrieden.

Foto: DLA Marbach

Hilde Domin schlägt Klaus Piper Werbemaßnahmen für ihren neuen Roman vor

Siegfried Unseld spricht von „der merkwürdigen, janusköpfigen Tätigkeit des Verlegers. Er muss […] Geist mit Geschäft verbinden“. Dies gilt gleichermaßen für Autor:innen. Den großen Erfolg erhofft sich Hilde Domin auf der Buchmesse 1968 mit ihrem Roman „Das zweite Paradies“ und leitet einige konkrete Schritte in die Wege, die diesen Erfolg ermöglichen sollen: von der Benennung einzelner Rezensent:innen für den SPIEGEL und die ZEIT, über die Vorabzusendung von Fahnen und Proben an Buchhändler:innen hin zur Empfehlung einer strategisch verlegerischen Kopplung mit dem Band „Wozu Lyrik heute“?, der 1968 ebenfalls bei Piper erschienen ist, schlägt sie Klaus Piper eine breite Sammlung an möglichen Werbemaßnahmen vor.

Foto: Thomas Hartmann, Universitätsbibliothek Mainz

Protokollbuch des Rotbuchkollektivs im Mainzer Verlagsarchiv

So unscheinbar es wirkt, ist das Protokollbuch des Rotbuchkollektivs mit dem programmatischen Titel des Buches „Ab jetzt wird alles ganz anders!“ doch eines der für die Wissenschaft wertvollsten Objekte des Mainzer Verlagsarchivs. Um seine Bedeutung zu erfassen, muss man sich über den besonderen Stellenwert des Rotbuch Verlags im Klaren sein: Der Verlag wurde 1973 in Berlin als Abspaltung von Mitarbeiter:innen des Verlags Klaus Wagenbach gegründet. Rotbuch hatte als kollektiv geführter Verlag eine Sonderstellung in der Bundesrepublik: Die hier Beschäftigten waren gleichzeitig Eigentümer:innen und entschieden gemeinschaftlich über Organisation, Finanzen und Programm, Auswahl der Autoren, Vertrieb und Ladenpreis.

Diese kollektiven Arbeits- und Entscheidungsprozesse können im Protokollbuch nachvollzogen werden, das in handschriftlichen Ausführungen die Zeit von 1981 bis 1993 näher beleuchtet. Die Kollektivmitglieder trafen sich abwechselnd vormittags im Verlag (für eine kürzere Sitzung mit raschen Entscheidungen) oder abends im privaten Raum (für eine ausführliche Diskussion über Programmentscheidungen mit ,open end‘). Die Protokolle wurden alternierend von verschiedenen Mitarbeiter:innen geführt, dementsprechend unterschiedlich sind sie in Stil und Informationsgehalt. Manchmal werden knapp und stichwortartig Entscheidungen notiert (Annahme oder Ablehnung von Manuskripten, Titelfindung), manchmal ausführlicher die gruppendynamischen Prozesse und Konflikte des Kollektivs protokolliert.

Das Protokollbuch gehört mit anderen Lektoratsunterlagen zum Rotbuch-Archiv, das Teil des Mainzer Verlagsarchivs (MVA) ist. Das MVA wurde im Jahre 2009 von Univ.-Prof. Dr. Stephan Füssel, dem Leiter des Instituts für Buchwissenschaft, gegründet.

Foto: DLA Marbach

Die Nobelpreisverleihung als kulturelles Ereignis

Paulus Tiozzo forscht zum Nobelpreis: Preisverleihungen und Kontaktnetzwerke sind wesentliche Teile der Verlagswelt. Dies wird nicht zuletzt im Brief des schwedischen Verlegers Georg Svensson an Klaus Piper vom 4.12.1973 deutlich. Im Brief, in dem Piper zu den Nobelfeierlichkeiten eingeladen wird, werden geplante Treffen mit einigen der bedeutendsten Vertreter des literarischen Feldes in Schweden angekündigt: Lars Gustafsson, dem Kritiker Bengt Holmqvist und dem Verleger Gerhard Bonnier.

Foto: DLA Marbach

Rabindranath Tagore: „The shy bride"

Der bengalische Dichter Tagore ist seit seiner Auszeichnung mit dem Nobelpreis 1913 einer der erfolgreichsten außereuropäischen Autoren. Seine in bengalischer Sprache geschriebenen Gedichte übersetzt er teilweise selbst ins Englische. Als er 1921 das erste Mal Deutschland besucht, erscheinen bei Kurt Wolff seine „Gesammelten Werke“ in acht Bänden. Seine Lesereise ist ein grandioser Erfolg. Er wird Thomas Mann und Stefan Zweig vorgestellt, Rilke und Hesse interessieren sich für ihn.

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